Kennen Sie diese Situation?
Gut vorbereitet und trotzdem außen vor
Der deutsche Kollege nimmt an einem Meeting im französischen Head Office teil, die Agenda im Blick und die Fakten bereit. Doch die Uhr läuft, und das Meeting beginnt nicht mit den geplanten Agendapunkten, sondern mit Lachen und persönlichem Austausch, teils auf Französisch. Selbst als der Chef verspätet eintrifft, ebbt der Redefluss nicht ab. Im Gegenteil.
Als das Gespräch schließlich zum Thema schwenkt, ist von der Agenda kaum noch die Rede. Es geht um Visionen, um Kontext, um das große Ganze. Häufig, wenn er versucht, seine sorgfältig vorbereiteten Punkte einzubringen, wird er freundlich, aber bestimmt unterbrochen.
Das Meeting endet verspätet. Die französischen Kollegen wirken zufrieden, fast beflügelt. Er selbst packt frustriert seine Unterlagen zusammen. Beim Hinausgehen legt ihm ein geschätzter Kollege die Hand auf die Schulter:
„Du wirkst heute so distanziert. Hattest du kein Interesse an unserem Thema?“.

Aus deutscher Sicht
war das Meeting ineffizient genutzt.
- Der fachliche Einstieg kam zu spät
- Die Agenda verlor an Bedeutung
- Zeit wurde „verplaudert“, bevor es zur Sache ging
- Durch die Unterbrechungen konnte er seine Punkte nicht ausreichend einbringen
Das wirkt wie:
- mangelnde Disziplin
- fehlender Fokus
- geringe Wertschätzung für Vorbereitung und Struktur
- Unhöflichkeit durch Unterbrechung und Sprachwechsel
Das eigene Verhalten erscheint sachlich, professionell, konzentriert.
Die Irritation entsteht, weil dies trotzdem als Desinteresse gelesen wird.
Aus französischer Sicht
war das Meeting gut genutzt:
- Beziehung und Atmosphäre wurden zuerst geklärt
- Der Kontext wurde gemeinsam aufgebaut
- Vertrauen und Positionierung entstanden vor der Detailarbeit
- Alle waren engagiert bei der Sache
Das wird als sinnvoll angesehen, denn:
- Wer den Kontext versteht, kann besser argumentieren
- Wer die Beziehung klärt, kann später klarer widersprechen
- Wer den Raum liest, erkennt, wann der richtige Moment ist
Unterbrechungen und gelegentlicher Sprachwechsel signalisieren Bedeutung und Engagement, nicht Respektlosigkeit.
Zurückhaltung wird daher nicht als Professionalität, sondern als Distanz interpretiert.


Beide Logiken sind erprobt und erfolgreich.
Der Unterschied liegt nicht im Anspruch, sondern im Fokus.
Haben Sie ähnliche Situationen in Ihren Projekten erlebt?
Lassen Sie uns gemeinsam Spielregeln definieren, die Ihre deutsch-französische Zusammenarbeit beschleunigen.
Warum das für Transformation entscheidend ist:
In Transformationsphasen potenzieren sich solche Missverständnisse, weil Zeitdruck, Unsicherheit und Abhängigkeiten steigen.
Daher wichtig, dass geklärt ist:
- wie Vertrauen aufgebaut wird
- wann ein Meeting als produktiv gilt
- wodurch Engagement sichtbar wird
- wie Beteiligung interpretiert wird
Sonst entstehen Missverständnisse, Rückzug und verdeckte Frustration.
Mein Ansatz:
Ich übersetze diese unterschiedlichen Arbeitslogiken in gemeinsame Spielregeln. So werden deutsch-französische Meetings Orte von Wirkung statt Irritation.
